Historisches
Die
(Vor)geschichte des Deutschen Edelsteinmuseums reicht in die Mitte
des 19. Jahrhunderts zurück. Damals erließ die oldenburgische
Regierung (das obere Nahegebiet gehörte seit 1817 auf Beschluss
des Wiener Kongresses zu Oldenburg) unter anderem ein Gesetz über
die Einrichtung eines Gewerberates. Eine der ersten Amtshandlungen
dieses Gewerberates war die Einrichtung einer Gewerbe- und Industriehalle
am Alexanderplatz in Idar im Dezember 1859, zunächst als
Verkaufsausstellung der Industrieerzeugnisse. Dies war der erste
Vorläufer des Edelsteinmuseums. Die sogenannte "neue
Gewerbehalle" wurde 1897 bezogen. Dort wurden die Produkte
der Edelsteinindustrie gezeigt, diesmal als eine Art "Leistungsschau"
ohne Verkauf. Nach mehr als 75 Jahren wurde die Gewerbehalle geschlossen
und in die neu gebaute "Diamant und Edelsteinbörse"
verlegt, ergänzt und am 17. November 1973 als "Deutsches
Edelsteinmuseum" neu eröffnet (nach Bank, Hermann, 1991,
Führer durch das Deutsche Edelsteinmuseum, Hrsg. Deutsches
Edelsteinmuseum, Idar-Oberstein).
Im Jahr 1996 ergab sich der glückliche Umstand, dass etwa
100 m von der Diamant- und Edelsteinbörse entfernt die Bundeswehr
die wunderschöne Villa "Purpers Schlößchen"
für die Konversion freigab. Der Bundesverband der Edelstein-
und Diamantindustrie e.V., unter dessen Verwaltung das Deutsche
Edelsteinmuseum bisher gestanden hatte, organisierte zusammen
mit engagierten Freunden des Museums den Übergang in die
neue Rechtsform der "Stiftung Deutsches Edelsteinmuseum".
Dies ermöglichte den Ankauf und den Ausbau der zur Verfügung
stehenden Villa, die seitdem der weltweit berühmten Sammlung
den angemessenen Rahmen gibt. Seit der Gründung 1973 besichtigten
bereits mehr als vier Millionen Besucher das Deutsche Edelsteinmuseum.
Heute
Das
Deutsche Edelsteinmuseum zeigt heute eine
ständig ergänzte,
in Bewegung befindliche Ausstellung nahezu aller
weltweit verarbeiteten Edelsteine, sowohl
in geschliffener Form wie auch als Kristalle
und Rohsteine. Die mittlerweile mehr als 10000
Objekte sind weitestgehend Leihgaben und Spenden
der heimischen Edelsteinindustrie, was von
der grossen Unterstützung dieser gemeinnützigen
Einrichtung in der Region zeugt. Die Betriebskosten
werden fast ausschließlich
durch die Eintrittsgelder der zahlreichen Besucher
getragen, staatliche Unterstützungen
werden lediglich für Erweiterungen und
Ausbaumaßnahmen gewährt. Die Ausstellung
wird ehrenamtlich von einem Kuratorium von
15 begeisterten Freunden des Edelsteinmuseums
betreut, Fachleute verschiedenster Richtungen,
von Edelsteinschleifer- und Graveurmeistern,
Edelsteinhändlern unterschiedlicher
Spezialisierung, Gemmologen und Edelsteinforschern,
bis hin zum Universitätsprofessor.
Dieses bunte Gremium organisiert noch
"nebenbei" zahlreiche mehrmonatige
Sonderausstellungen. In dieser Reihe liefen
in den letzten Jahren
Rundgang durch das Deutsche Edelsteinmuseum
Bereits der Anblick der denkmalgeschützten Gründerzeitvilla
"Purpers Schlösschen" lässt es einem warm
ums Herz werden. Im Inneren "durchschreitet" man zunächst
die Eingangshalle mit Mosaikboden und kommt zu den ersten Edelsteinen,
die in Idar-Oberstein schon vor mehr als 500 Jahren gefunden und
bearbeitet wurden - den Achaten. Zumeist in Glatt- oder Hohlschliffen
verarbeitet präsentiert sich eine beeindruckende Vielfalt
dieser wunderschönen Edelsteine. Zum besseren Verständnis
trägt das Modell einer wasserbetriebenen Achatschleife bei,
in dem die einzelnen Arbeitsgänge vom Sägen über
das Schleifen und "Hohlmachen" bis hin zum Polieren
gezeigt werden. Im nächsten Raum werden die Achate aus anderen
Vorkommen, vor allem Brasilien, gezeigt. Ohne diese Steine, die
Mitte des 19. Jahrhunderts als Ballast in Segelschiffen aus Übersee
ankamen, wäre die Edelsteinindustrie im Raum Idar-Oberstein
wahrscheinlich zum Untergang verdammt gewesen, als die einheimischen
Vorkommen unrentabel geworden waren. Anzumerken
ist hier, dass die Achat- und Amethystvorkommen Brasiliens für
die kommerzielle Nutzung von ausgewanderten Hunsrückern entdeckt
wurden. Eine Besonderheit des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts
war das sogenannte "afrikanische Geld" aus Achaten,
Karneolen und anderen Edelsteinen der "Quarzgruppe",
das in Idar-Oberstein produziert wurde. Es diente noch lange in
verschiedenen afrikanischen Ländern als Schmuck und Zahlungsmittel.
Im nächsten Raum werden nahezu alle Edelsteinarten, die bisher
geschliffen wurden, mineralogisch geordnet präsentiert. Der
Besucher erfährt vieles über die gemmologischen Untersuchungsmethoden
und die Entstehung der Edelsteine. Der weitere Weg führt
ins erste Obergeschoß, vorbei an einem riesigen Querschnitt
aus versteinertem Holz, großen Bergkristallen und Kristallgruppen.
Dort fängt das Blitzen und Funkeln richtig an, wie man es
im "Deutschen Edelsteinmuseum" erwartet. Im Halbdunkel
der Räume offenbaren sich die klassischen Edelsteine, wie
z.B. der grüne Peridot, der Rubin, der Saphir, der Smaragd,
der Granat und im Zentrum der faszinierende Diamant in vielfältiger
Form. Daneben stehen noch einige Replikate berühmter Diamanten
aus der Geschichte, die als Ausnahme unter den Edelsteinen als
Individuen betrachtet wurden und eigene Namen bekamen. Um diese
ranken sich viele Legenden, man erinnere sich nur beispielsweise
an den Hope-Diamanten. Auch die neueren Edelsteine des späten
20. Jahrhunderts haben hier ihren Platz gefunden, als Beispiel
soll hier der wunderschöne intensiv blaue Tansanit genannt
werden, der erst Ende der 60er Jahre entdeckt wurde. Einige Schritte
weiter
leuchtet
es plötzlich aquamarinblau, zartrosa und gelbgrün, grosse
Kristalle der Beryllgruppe geben sich die Ehre. Facettierte Aquamarine,
Morganite und Heliodore ergeben ein harmonisches Farbenspiel von
Pastellfarben, das nur vom tiefen Rubinrot der roten Berylle aus
Utah unterbrochen wird.
Im nächsten Raum wird es noch farbenfroher, die Turmaline
zeigen wieder einmal, dass sie die Edelsteine mit der grössten
Farbenvielfalt sind. Das bekannte leuchtende Grün der Verdelithe,
das warme Rot der Rubellite, das Blau der Indigolithe und alle
anderen bekannten Farbvarietäten der Turmaline konkurrieren
um die Aufmerksamkeit des Besuchers. Im räumlichen Mittelpunkt
stehen die Steine mit besonderen Lichteffekten, wie z.B. die Turmalin-Katzenaugen.
Wieder geht es ein Stockwerk nach oben, unterwegs die Edelsteine
organischen Ursprungs, wie Perlen, Bernstein und Korallen. Der
Rundgang setzt sich in der "Glyptothek" fort, einer
weltweit wohl einmaligen Sammlung von Hunderten von Siegeln, Rollsiegeln,
Petschaften und Gemmen, zurückreichend bis in altbabylonische
Zeiten. Im folgenden Raum tauchen z.T. bewegte "Lichtobjekte"
vorwiegend aus Bergkristall, Rauchquarz, Citrin und Quarz mit
Rutilnadeln, den Raum in ein unwirkliches Licht. Dort beginnt
das Reich der Gemmenschneider, Graveure und Schalenschleifer.
Kleine Kameen, Intaglios sowie große Gefäße zeugen
eindrucksvoll vom Können von GenerationenIdar-Obersteiner
Meister. Die verschiedenen Arbeitsgänge beim Gravieren werden
sowohl mit Modellen als auch anhand von Originalwerkzeugen und
-objekten erklärt. So entsteht ein Eindruck der manchmal
langwierigen Arbeit an einzelnen Objekten und der dazu notwendigen
Kunstfertigkeit. Hier schliesst sich der Bereich der technisch
verwendeten Edelsteine an. Edelsteine begleiten uns schon lange
oft unbemerkt in vielen technischen Produkten, angefangen von
Achatmörsern über Industriediamanten in verschiedensten
technischen
Anwendungen
(z.B. Plattenspieler) bis hin zu aktuellen "Laserkristallen"
aus YAG (Yttrium-Aluminium-Granat), GGG (Gallium-Gadolinium-Granat)
und ähnlichen Substanzen. Einen weiteren Höhepunkt der
Ausstellung bietet der Besuch der Schatzkammer, hier sind die
schönsten und wertvollsten Edelsteine ihrer Art ausgestellt,
lassen Sie sich überraschen...
Es wird ein Besuch sein, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt
und auch oftmals zum Wiederkommen in die faszinierende Welt der
edlen Steine einlädt.
The
German Gemstone Museum displays approximately 10,000 gemstone
varieties from all over the world in a elegant three-story building
that was formerly a private residence. Next to sparkling
cut gemstones and diamonds are artfully crafted sculptures and
engravings as well as spectacular mineral specimens. The exhibition
begins with minerals and rocks from the Idar-Oberstein region,
found and worked more than 500 years ago. Of particular
importance here are agate and jasper.
Following the regional exhibition is a systematic display of the
museum's mineralogical collection of nearly every known cut gemstone
variety. Text and pictures explain how the gemological identification
is made. Exquisite examples of both the classic and more
recently discovered gemstones can be viewed on the first floor:
diamond, ruby, sapphire, emerald, aquamarine,
peridot,spinel, tanzanite, garnet and multi-colored tourmaline.
On the second floor is a growing collection of art engravings,
cameos and hollowed out vases and dishes. This documents
the master expertise of many generations of gemstone cutters and
engravers of the Idar-Oberstein district. Gemstones
used for technical and industrial purposes are also displayed
here.
In the vault of the museum (Gewolbekeller), changing exhibitions
on special gemstone topics are regularly scheduled, often in collaboration
with other important museums around the world.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch,
Deutsches Edelsteinmuseum
E-Mail: info@edelsteinmuseum.de